Schon im Frühjahr lag das Ticket fürs diesjährige Headbangers Open Air bereit. Die Vorfreude stieg, alles tippitoppi – wäre da nicht plötzlich ein guter Freund ins Haus geschneit gekommen, um uns eine Hochzeitseinladung ausgerechnet fürs letzte Juli-Wochenende in die Hand zu drücken. Aber wollen wir uns mal nicht beschweren, die meisten Leute heiraten ja meist nur einmal und das Fest war auch mehr als gelungen!

Hier soll es nun aber um das Festival in Brande Hörnerkirchen gehen: Ganz nehmen lassen wollte ich es mir nämlich nicht, zumindest von Mittwoch bis Samstagmorgen reinzuschauen. Und so tingelte unsere Truppe in ansonsten klassischer Besetzung runter, um mal wieder die Lage zu checken. Im Grunde war natürlich alles beim Alten (so wie es sein soll) – und deshalb geht's jetzt direkt um die Musik:

Bands

Donnerstag, 25. Juli

  • Espionage, die dritte Band des HOAs, war mein Einstieg in den musikalischen Teil des Wochenendes. Die Australier spielen speedigen Heavy Metal und bieten damit genau die richtige Unterhaltung für einen brütendheißen frühen Abend. Das Rad haben die Jungs genau wie Genrekollegen à la STRIKER, STALLION & Co., zwar nicht neu erfunden. Aber wenn statt routinierten Berufsmusikern junge Metalfans auf einer Bühne stehen, geht die Post halt immer etwas mehr ab. Hat mir live ne ganze ecke besser gefallen als beim Reinhören auf YouTube. Extra-Sympathiepunkte gibt's für ein gelungenes W.A.S.P.-Cover (I Wanna Be Somebody).
  • Sanhedrin reihen sich auf dem ersten Blick in die Reihe der okkulten Rockbands mit Frontfrau ein. Eine kleine Besonderheit ist die MOTÖRHEADesque Trio-Besetzung, die (erfreulicherweise) keinen Raum für großes Tamtam lässt. Außerdem ist der Sound vergleichweise heavy, aber so komplett vom Hocker gerissen hat mich das Ganze leider trotzdem nicht.
  • Eine fucking SLADE-Coverband zur besten Prime Time? Was (für mich) nach einer ziemlich bescheuerten Idee klang, hat erstaunlich gut funktioniert. Die Refrains großer Ohrwürmer wie Come on Feel the Noize und Far, Far Away kann nun wirklich jeder mitsingen und vielleicht hat auch der gehobene Altersdurchschnitt im Publikum dafür gesorgt, dass hier so ausgelassen abgefeiert wurde. Geholfen hat sicher auch, dass Slade UK die Klassiker ziemlich riff-betont spielen und dass der Sänger stimmlich sicherlich auch den einen oder anderen ACCEPT-Song gut vertonen könnte.
  • Nach diesem Stimmungshöhepunkt kann Queensrÿche eigentlich nur verlieren. Und der verspätete Beginn durch überlangen Soundcheck hat sicherlich auch nicht geholfen. Offen gesagt fand ich Queensrÿche auch musikalisch immer ziemlich lahm, auch wenn hier zweifelsohne begnadete Musiker am Werk sind. In den ersten Reihen war die Stimmung wohl auch ganz gut, weiter hinten leerten sich die Reihen sich aber zusehends.

Überraschend heavy: SLADE UK.  Der Garten brannte mal wieder reichlich!

Freitag, 26. Juli

  • Pünktlich zur Mittagszeit eröffneten Space Chaser den Freitag. Die sympathische Truppe ist schon seit vielen Jahren als Zuschauer Stammgast auf dem HOA und hat die Stimmungsmesslatte mit ihren oberkultigen Musikvideos natürlich hoch angesetzt. Die Erwartungen wurden nicht enttäuscht, für mich war der Auftritt sogar der diesjährige Festivalhöhepunkt. Obergeil!
  • Kurz ne Hülse an den Mund gelegt und dann mal schauen, wie die gute Jutta Weinhold mit ihrer Truppe Velvet Viper sich so schlägt. Ich hab ehrlich gesagt nicht allzu viel erwartet, wurde dann aber doch positiv überrascht: Die ansonsten junge Truppe hat gut was drauf und für mittlerweile 71 Lenze ist die Frontfrau überraschend agil und auch stimmlich noch auf hohem Niveau. So viel authentischen Applaus hat an diesem Wochenende wohl kein ein anderer Act genossen. Hut ab!
  • Von Cerebus ist bei mir wiederum nicht so viel hängengeblieben. Viel Heavy, etwas Prog, für meinen Geschmack aber zu wenig Ohrwürmer. Nicht meine Baustelle.
  • Recht groß waren die Erwartungen an Medieval Steel, auf die viele Die-Hard-Fans sehnsüchtig gewartet hatten. Mich hat der Auftritt allerdings etwas an den ANGELWITCH-Gig von 2016 erinnert: 80% des Publikums wartet auf den einen Über-Song der Band, der natürlich erst ganz am Ende abgefeuert wird. Davor wird geduldig gewartet und die Band mit einigem Anstandsapplaus geehrt, aber so richtig Stimmung kam nur direkt vor der Bühne auf.
  • Ähnliches Bild bei Sanctuary, die nach dem Tod von Warrel Dane mit neuen Sänger unterwegs sind. Das etwas sperrige Material ist eher was für Fans – die schienen durchaus zufrieden, aber am Bierstand herrschte deutlich bessere Stimmung.
  • Mein Festival-Abschluss sollte dann Exciter sein. Auch wenn „Heavy Metal Maniac“ zurecht als legendäres Album in die Annalen des Speed Metals eingegangen ist, war der anderthalbstündige Auftritt für mich etwas zu viel des Guten.

 Dieses Jahr nur auf zwei Rädern unterwegs gewesen. Geheimtipp: Kurz vor Feierabend beim Tanktreff in Wrist reinschneien und eine Bockwurst gratis abgreifen. 👍 Prioritäten sind gesetzt.

Fazit

Auch mit einem Tag weniger war das Headbangers mal wieder ein großer Spaß. Etwas bitter war die alles niederbrennende Hitze, die am Donnerstag ihren Höhepunkt erreichte und neben der Stimmung auch auf den Kreislauf drückte. Mit nassem Handtuch im Nacken und kühlen Drinks in der Kralle ließ sich aber auch das ertragen und ansonsten war alles top: Viele bekannte Gesichter, top Verpflegung vor Ort zu humanen Preisen und lockeres Personal. Und musikalische Highlights gab's wie oben beschrieben natürlich auch ein paar.

Wir sehen uns 2020 wieder – wenn nichts dazwischen kommt!