FritzNAS unter Linux mounten

5. Januar 2020 | #linux #samba #fritzbox #heimnetzwerk

Schöne Sache, wenn zu Hause eh schon eine FritzBox werkelt: Ein angeschlossenes USB-Speichermedium kann bequem als zentraler Netzwerkspeicher freigegeben werden. Fritzbox-Hersteller AVM nennt das dann FritzNAS (von NAS = Network Attached Storage).

Der FritzNAS taucht in der Netzwerkumgebung als Freigabe auf. Dank SAMBA lässt sich diese auch ganz bequem unter Linux nutzen – in den klassischen grafischen Dateimanagern wie Dolphin oder Nautilus geht das per Mausklick oder manuell via smb://-Präfix in der Adressleiste (z.B. smb://192.168.178.1).

Anders sieht's im Terminal aus, dort funktioniert das smb-Kürzel nicht. Dieser Artikel fasst zusammen, wie der FritzNAS aktiviert und anschließend grafisch oder vom Terminal aus unter Linux eingebunden werden kann.

1  Vorbereitung: FritzNAS aktivieren

Falls noch nicht geschehen, muss zunächst FritzNAS aktiviert werden:

  1. Schließe einen USB-Stick oder eine USB-Festplatte an einen freien USB-Port deiner FritzBox an – dieses Gerät wird als Datenspeicher verwendet werden.
  2. Logge dich auf der Admin-Oberfläche der Fritzbox ein. Normalerweise ist diese unter http://fritz.box erreichbar, ansonsten direkt über ihre IP (standardmäßig 192.168.178.1).
  3. Unter „Heimnetz“ → „Speicher (NAS)“ setze den Haken bei „Speicher (NAS) aktiv“. An dieser Stelle kannst du auch angeben, welche USB-Datenträger freigegeben werden sollen.
  4. Weiter unten auf der selben Seite ist der Haken bei „Zugriff über ein Netzlaufwerk (SMB) aktiv“ zu aktivieren. Hier kannst du auch einen Namen definieren – standardmäßig lautet dieser FRITZ.NAS. Merke dir ihn gut! Achte auch darauf, dass der Domänenname zu deiner Samba-Konfiguration passt (bzw. lasse den Default-Wert Workgroup unangetastet).
  5. Lege einen FritzNAS-Benutzer an: Das geht unter „System“ → „FRITZ!Box Benutzer“. Dieser muss „Zugang zu NAS-Inhalten“ haben (Haken setzen!), außerdem müssen die Verzeichnisse angegeben werden, auf welche der Nutzer zugreifen kann – in unserem Beispiel hat der Nutzer Zugriff auf alle verfügbaren Speicher, siehe Bildschirmfotos. (box: Der einfachste Ansatz wäre wohl, einen User einzurichten, der Zugriff auf alle FritzBox-Funktionen sowie Lese- und Schreibrechte auf alle NAS-Speicher hat – man ahnt aber schon, dass dies nicht besonders clever wäre.
    Gerade in Zeiten von Verschlüsselungstrojanern empfiehlt es sich natürlich, genau abzuwägen, ob jeder NAS-User wirklich Schreibrechte braucht – beispielsweise wenn dieser nur abgespeicherte Medien abspielen soll.)
  6. Notiere dir die IP-Adresse deiner FritzBox. Du findest sie ebenfalls im Admin-Panel unter „Heimnetz“ → „Heimnetzübersicht“ → „Netzwerkverbindungen“. Standardmäßig lautet sie 192.168.178.1.

Aktiviere die NAS-Funktion und definiere, welche USB-Geräte freigegeben werden sollen. Aktiviere außerdem den SMB-Zugriff. Lege einen neuen Fritzbox-Benutzer an … … und definiere ein sicheres Passwort. Merke dir den Benutzernamen und aktivieren den Zugriff auf NAS-Inhalte. Vergiss nicht, auch die Zugriffsrechte auf den richtigen USB-Speicher zu gewähren. Falls nicht bekannt, ermittle die IP deiner Fritzbox und merke sie dir für die folgende Konfigration.

Glückwunsch, dein FritzNAS ist fertig konfigutiert – das ist die halbe Miete! Im nächsten Schritt wird dein Linux-Rechner so konfiguriert, dass er auf den FritzNAS zugreifen kann.

2  FritzNAS unter Linux einbinden

2.1  SAMBA und CIFS installieren

Weiter geht's mit dem Client, also deinem Linux-Computer:

  1. Es müssen SAMBA und CIFS über die Paketverwaltung installiert werden. Ersteres ermöglicht überhaupt erst den Zugriff auf den FritzNAS, Zweiteres wird zum Einbinden aus dem Terminal heraus benötigt. Unter Debian und Ubuntu sieht die Installation beispielsweise so aus:

    $ sudo apt install samba cifs-utils

Spätestens nach einem Neustart deines Rechners sollte der FritzNAS bereits als Netzwerkgerät in deinem Dateimanager sichtbar sein – wenn dir das genügt, kannst du jetzt das Lesen dieser Anleitung einstellen.

Mit KDE-Dateimanager Dolphin auf den FritzNAS zugreifen: fühlt sich fast wie das eigene Heimverzeichnis an.

2.2  FritzNAS vom Terminal aus einbinden

Möchtest du den FritzNAS nicht nur aus dem grafischen Desktop heraus nutzen, sondern auch vom Terminal aus, wird es hier noch mal interessant:

  1. Lege im Home-Verzeichnis eine Datei mit dem Namen .smbcredentials an, z.B. mit dem Befehl nano ~/.smbcredentials. Sie enthält den FritzNAS-Benutzernamen und das zugehörige Passwort und ist folgendermaßen aufgebaut:

    username=FritzNASBenutzername
    password=UltrageheimesPasswort

    Das hat den Charme, dass man beim Einbinden sein Passwort nicht jedes Mal im Klartext in die Konsole tippen muss.

  2. Lege ein Verzeichnis an, in dem der NAS-Speicher später auftauchen soll, z.B. mit dem Befehl mkdir ~/fritzNAS oder über deinen grafischen Datei-Manager.

2.2.1  Temporär einbinden

Soll der FritzNAS nur einmalig eingebunden werden oder die Konfiguration getestet werden, kann dieser Befehl genutzt werden:

$ sudo mount -t cifs -o credentials=$HOME/.smbcredentials,vers=3.0,noserverino //192.168.178.1/FRITZ.NAS/ /mnt/

Die Dateien auf dem NAS können dann unter /mnt/ eingesehen werden. Alternativ kann natürlich auch ein anderes Verzeichnis angegeben werden.

2.2.2  Permanent einbinden

Soll der FritzNAS dagegen automatisch bei jedem Systemstart eingebunden werden, muss die Datei /etc/fstab mit Root-Rechten bearbeitet werden. Beachte, dass dein Rechner in diesem Fall per Ethernet-Kabel am Netzwerk hängen sollte, damit beim Boot-Vorgang bereits eine Netzwerkverbindung besteht.

Lege zunächst ein Backup der fstab an:

$ sudo cp /etc/fstab{,~NAS.bak}

Jetzt führe den Befehl

$ sudoedit /etc/fstab

aus und ergänze folgende Zeile (beachte auch den darauffolgenden Kasten!):

# <file system> <mount point>   <type>  <options>       <dump>  <pass>
(…)
//192.168.178.1/FRITZ.NAS/ /home/{DeinBenutzername}/fritzNAS cifs credentials=/home/{DeinBenutzername}/.smbcredentials,vers=3.0,noserverino,uid=1000,gid=1000,x-systemd.automount,x-systemd.requires=network-online.target 0 0

Teste die Konfiguration mit dem Befehl sudo mount -a. Das ist bequemer, als bei jeder Anpassung der fstab den Rechner neuzustarten. Wenn es unlösbare Probleme geben sollte, spiele einfach das Backup wieder ein – so kannst du nichts kaputt spielen.

3  Troubleshooting/Stolpersteine

  • Wenn Du eine alte FritzBox hast (Fritz!OS-Version niedriger als 7.x), muss eine ältere Samba-Protokollversion verwendet werden. Diese Information wird dem mount-Befehl mit dem Zusatz vers=1.0 mitgegeben:
    sudo mount -t cifs -o credentials=$HOME/.smbcredentials,vers=1.0 //192.168.178.1/FRITZ.NAS/ /mnt/

    Analog dazu, sollte der fstab-Eintrag folgendermaßen aussehen:

    //192.168.178.1/FRITZ.NAS/ /home/{DeinBenutzername}/fritzNAS cifs credentials=/home/{DeinBenutzername}/.smbcredentials,vers=1.0,uid=1000,gid=1000,x-systemd.automount,x-systemd.requires=network-online.target 0 0
  • Wenn dein Rechner per WiFi mit der FritzBox verbunden ist, kann es zu Problemen beim automatischen Einbinden des FritzNAS kommen, weil die Netzwerkverbindung in den meisten Fällen erst nach dem Laden der grafischen Benutzeroberfläche hergestellt wird. Einen Blick wert ist ein Workaround, der dafür sorgt, dass zwei Minuten nach dem Start des Rechners alle fstab-Einträge (neu) eingebunden werden:
    1. Bearbeite bzw. lege eine Crontab-Datei an. Führe dazu nacheinander diese Befehle aus:
      $ sudo -s
      # export EDITOR=nano
      # crontab -e
    2. Es öffnet sich der Edior „Nano“, vielleicht findest du schon ein paar Crontab-Einträge vor. Ergänze am Ende die folgende Zeile:
      @reboot sleep 120 && mount -a
    3. Beende Nano (Strg+x) und bestätige deine Änerung mit j (bzw. y bei englischer Systemsprache).
    4. verlasse den sudo -s-Modus mit
      # exit

      Der Cron-Eintrag ist ab dem nächsten Neustart wirksam.

  • Die beliebte Umleitung http://fritz.box anstelle der IP funktioniert mit den hier gezeigten Befehlen übrigens nicht!

Klappt es immer noch nicht? Lass einen Kommentar da, vielleicht gibt es eine einfache Lösung.

(via Ubuntuusers.de und Debianforum.de)


(Titelfoto: © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons)