Online-Nachrichtenkonsum zurück erobern, Teil 1/2

11. November 2018 | #www #medien #tinytinyrss

Wie konsumiert ihr eigentlich eure Nachrichten im Internet? Jede Seite einzeln nach interessanten Schlagzeilen abklappern? Per Newsletter frisch vom Nachrichtenerzeuger? Oder per Empfehlung direkt aus der eigenen Social-Media-Filterblase?

Bei den meisten ist es vermutlich eine Mischung aus all dem und eigentlich funktioniert es im Alltag ja auch einigermaßen. Trotzdem hinken alle Ansätze irgendwie: Wenn ich Tag für Tag alle Portale und Weblogs abklappere, die mir gefallen, bleibt mir kaum Zeit zum Essen, Schlafen oder Geldverdienen übrig – zumal viele spannende Angebote nur alle paar Tage neue Inhalte bringen und der tägliche Besuch dadurch ziemlich unnütz ist. Newsletter drängen sich in den letzten Jahren als scheinbar neue Alternative auf, dabei waren Newsletter schon in den Neunzigern ziemlicher Mist. Das haben die Internetfritzen auch gar nicht vergessen und deshalb versuchen sie, uns ihre Newsletter gern mit ziemlich dämlichen Rabattaktionen und vor allem Pop-Ups schmackhaft zu machen – dabei waren auch Pop-Ups schon in den 90ern schon ziemlicher Mist.

Bleibt die Sache mit den sozialen Medien: Einfach alle interessanten Kanäle abonnieren (sofern auf der präferierten Plattform verfügbar) und warten, bis Links in der Timeline/Chronik/Whatever landen. Muss man nur noch zur richtigen Zeit in die richtige App reinschauen und mit etwas Glück, landet ein interessanter Artikel genau im Blickfeld – irgendwie auch nicht das Wahre.

Man könnte also resigniert zu dem Schluss kommen, dass das Internet irgendwie kaputt ist und wieder anfangen, Zeitungen zu abonnieren. Okay, ganz so schlimm ist es noch nicht, denn es gibt da eine Technik die fast so alt ist, wie Newsletter und Pop-Ups: Der News-Feed, geht immerhin auf 1995 zurück und wurde 1999 erstmals so implementiert, wie man ihn heute kennt.

Klar, ich erzähle hier nichts Neues. Feeds, ob nun Atom oder RSS, kennt eigentlich jeder – benutzt nur irgendwie keiner mehr. Warum eigentlich? Als 2013 der bis dahin beliebte Google Reader recht plötzlich eingestellt wurde, konnte man immerhin zwischen einigen Alternativen wählen – aber nach dem man gesehen hat, wie von heute auf morgen ein etablierter Service vom Netz genommen wurde, wollten wohl viele ihre Feed-Listen nicht gleich beim nächsten Anbieter neu anlegen und darauf hoffen, dass es dort besser läuft.

Aber auch an der Browser-Front hat sich was getan: Der Abo-Button im Firefox verschwand bereits 2011 und war nur noch als Opt-In zuschaltbar. Logische Konsequenz ein paar Jahre später: Die Feed-Funktion fliegt ganz raus, benutzt schließlich keiner – komisch!! Bei Chrome sieht's nicht viel besser aus: Auch dort sind Feed-Funktionen nur per Add-On nachrüstbar.

Für sich genommen sind all das keine Gründe, die den schleichenden Tod des News-Feed erklären, denn technische Gegenmaßnahmen lassen sich in jedem Fall ergreifen. Dennoch war jede dieser Hürden ein weiterer Sargnagel. Ein Kommentar auf Heise hat dieses Grundproblem der News-Feeds zuletzt gut auf den Punkt gebracht:

Der Tod von RSS ist wohl unausweichlich. Ähnlich wie PGP ist RSS ein Tool von Nerds für Nerds. Das Protokoll erfüllt seine Aufgabe hervorragend, allerdings ist es nicht für den Alltagsgebrauch normaler Menschen konzipiert.

Klingt nicht besonders ermutigend, aber dennoch: Praktisch alle ernstzunehmen Nachrichtenseiten und Weblogs bieten immer noch Feeds an und es spricht einiges dafür, eingemottete Feedreader entweder mal wieder anzuwerfen oder neue Software einzurichten. Immerhin ist es unglaublich komfortabel, alle favorisierten Nachrichtenportale und Blogs auf einem Blick nach Neuigkeiten abzugrasen. Zum anderen entzieht man sich u.U. Trackern und unnötiger Werbung, ganz zu schweigen vom Spam-Potential, das Newsletter auch in DSGVO-Zeiten immer noch mit sich bringen.

Einzige Einschränkung: Kaum jemand nutzt heute noch ein einziges Gerät, um online zu gehen. Viel mehr wird auf dem Weg ins Büro das Smartphone benutzt, dort angekommen wird der Arbeitsrechner angeworfen und nach Feierabend ist vielleicht das Tablet das Gerät der Wahl. Das bringt die Anforderung mit sich, dass eine moderne Feedreader-Lösung idealerweise zentral läuft und sich selbst merkt, welche Artikel bereits gelesen oder sogar favorisiert worden sind. Momentan scheint Feedly für viele das Mittel der Wahl zu sein. Wie das Ende des Google Readers aber beispielhaft gezeigt hat, ist es keine besonders gute Idee, sich dem Willen eines kommerziellen Anbieters zu unterwerfen.

Der Ausweg ist eine selbst gehostete Lösung – damit hat man selbst in der Hand, ob der Dienst jemals abgeschaltet wird. Und in der Tat gibt es pflegeleichte Programme, die sich mit wenig Aufwand installieren und mit Feeds füttern lassen (pun intended). So sollte dieser länglich geratene Artikel eigentlich nur eine Einleitung für die Installation von Tiny Tiny RSS werden – aber diesen Aspekt verlege ich nun doch lieber in einen eigenen Artikel.


(Titelfoto von Juliana Malta auf Unsplash)