Online-Nachrichtenkonsum zurück erobern, Teil 2/2

TinyTinyRSS einrichten

11. November 2018 | #www #werkzeuge #tinytinyrss #freshrss #miniflux #php

In Teil 1 dieses Artikels habe ich die Vorzüge eines selbst gehosteten RSS-Feedreaders erläutert – kurz zusammengefasst: Unabhängigkeit von kommerziellen Anbietern und Synchronisation über alle Endgeräte (PC, Smartphone/Tablet).

Ein Klassiker unter den selbstgehosteten Feedreadern heißt TinyTinyRSS (auch: tt-rss). Das Programm ist einfach aufzusetzen und ziemlich pflegeleicht – dieser Artikel umreißt die Installation und gibt ein paar Tipps zur Ersteinrichtung.

Ein Hinweis vorweg: der Entwickler von tt-rss gilt als ziemliches Arschloch. Das tut der Qualität seiner Software keinen Abbruch, aber wem das den Spaß an der Sache verdirbt, sollte einen Blick auf die Alternativen ganz unten werden.

TinyTinyRSS installieren und einrichten

TinyTinyRSS setzt einen Server mit PHP und wahlweise PostgreSQL oder MySQL/MariaDB voraus. Es wird ein (virtueller) dedizierter Server empfohlen, aber TinyTinyRSS scheint mit minimalen Einschränkungen auch auf shared Webhosting-Lösungen gut zu laufen.

Die Installation läuft denkbar einfach: Einfach das Git-Repositorium herunterladen, auf dem Server ablegen und schließlich im Browser den Pfad zum Installationsverzeichnis aufrufen (https://www.meinserver.example/tt-rss/install). Es öffnet sich ein intuitiv zu benutzender Dialog; lediglich die Zugangsdaten zur Datenbank sollte man parat haben.

Anschließend kann man sich erstmals mit dem Benutzernamen admin und Password password einloggen. Die Zugangsdaten sind prima zu merken, können also direkt beibehalten werden Als erstes wird man aufgefordert, die Zugangsdaten zu ändern. Es empfiehlt sich sicherlich auch, einen neuen Account anzulegen, der nicht über Admin-Rechte verfügt. Dieser wird dann zukünftig für den täglichen Lesegenuss verwendet und kann keinen allzu großen Schaden anrichten, falls das Passwort irgendwie in die falschen Hände gelangt.

Wichtig ist noch die Wahl des gewünschten Update-Mechanismus: TinyTinyRSS kann per Daemon oder Cron-Job regelmäßig die abonnierten Feeds aktualisieren, d.h. nach neuen Nachrichten schauen. Wer TinyTinyRSS bei einem gewöhnlichen Webhoster einsetzt, kann auf eine primitivere Variante zurückgreifen: Dabei werden die Feeds immer dann aktualisiert, wenn sich ein User einloggt bzw. die Android-App öffnet. Diese Methode ist etwas langsam, d.h. es dauert schon mal einige Sekunden, bis neue ungelesene Nachrichten in der Übersicht funktioniert – dafür funktioniert sie praktisch immer.

Um diesen „Simple Update“ genannten Modus zu aktivieren, muss in der Datei tt-rss/config.php die Zeile define('SIMPLE_UPDATE_MODE', false); gesucht und durch define('SIMPLE_UPDATE_MODE', true); ersetzt werden.

Für jeden was: Themes

TinyTinyRSS sieht nach der Installation zugegebenermaßen etwas altbacken aus. Abhilfe schaffen Themes, die jeweils aus einer oder mehreren CSS-Dateien und einem Ordner bestehen. CSS-Files und Theme-Ordner werden direkt im Verzeichnis tt-rss/themes abgelegt und können dann im Einstellungsdialog ausgewählt werden.

So sieht tt-rss mit Clean-GReader-Theme aus … und so im Feedly-Gewand

Mit vorgefertigen Themes lässt sich das Aussehen von tt-rss individualisieren. Dabei stehen auch Oberflächen zur Verfügung, die sich in sehr ähnlicher Form bereits bei populären Feed-Dienstleistern bewährt haben.

Verkrüppelte Feeds lesbar machen per Plugin

Ebenso stehen einige Plugins zur Verfügung, um etwaig fehlende Grundfunktionen nachzurüsten. Das Plugin af_readability implementiert ein echtes Killer Feautre:

Wenn Webseitenbetreiber nur kurze Anreißtexte in ihren Feed aufnehmen, kann dieses Plugin sehr zuverlässig den gesamten Artikelinhalt automatisch nachliefern. Es wird bei tt-rss standardmäßig mitinstalliert, muss allerdings in den Einstellungen im Bereich „Plugins“ aktiviert werden.

Bei gekürzten Feeds kann daraufhin im Menü unter „Feed bearbeiten“ → „Plugins“ der Haken bei Artikelinhalt gesetzt werden. Die Änderung wird erst bei neuen Inhalten wirksam, macht das Leben deutlich angenehmer (keine Macht dem Clickbait!).

Viele Feeds bieten statt des ganzen Inhalts nur kurze Anreißtexte. Abhilfe schafft das Plugin af_readability; es kann bei Bedarf zugeschaltet werden und versteckt sich hinter dem etwas kryptiscchen Label „Artikelinhalt“. Jetzt gibt es ungestörten, vollständigen Lesegenuss!

Android-App

Nett fürs Nachrichtenlesen unterwegs ist natürlich eine Smartphone-App. Die offizielle TinyTinyRSS-App kann via Google Play zunächst kostenlos getestet und bei Gefallen für ungefähr vier Euro gekauft werden. Alternativ bietet sich ein kostenloser Fork an, der über F-Droid installiert werden kann.

Noch bequemer abonnieren

Wer mit einem Browser aus der Chrome-Familie durchs Netz klickt, könnte sich für das RSS-Abonnement-Addon interessieren. Wenn eine Webseite einen Feed anbietet, erscheint ein entsprechendes Symbol in der Adressleiste, um diesen zu abonnieren.

Im nächsten Schritt muss nur noch die URL der TinyTinyRSS-Installation nach diesem Schema im Addon hinterlegt werden: https://meinserver.example/tt-rss/public.php?op=subscribe&feed_url=%s, dann werden nur noch zwei Mausklicks benötigt, um ein neues RSS-Abo zu ergänzen:

Bildschirmfoto: Per Mausklick können Feeds abonniert werden, sofern die entsprechende Seite einen anbietet.

Online-Feedreader: Alternativen

Natürlich ist TinyTinyRSS nicht die einzige Option für selbstgehostete Feed-Reader. Recht populär sind beispielsweise noch FreshRSS oder selfoss, welche in Sachen Anforderungen und Installationsaufwand her in etwa mit TinyTinyRSS vergleichbar sind – es handelt sich um PHP-Anwendungen, welche im Hintergrund auf eine SQL-Datenbank zurückgreifen. Beiden Programmen gemein ist, dass es (nach meiner Recherche) keine eingebaute Möglichkeit gibt, bei gekürzten Feeds den vollständigen Artikelinhalt nachzuladen (also das, was bei tt-rss durch af_readability ermöglicht wird).

Einen etwas anderen Weg geht Miniflux, welches in Go geschrieben ist und damit nicht so ohne Weiteres auf einem Webhosting-Service betrieben werden kann. Ich hab's mir selbst nicht angesehen, aber es sei der Vollständigkeit halber hier erwähnt.


(Titelfoto von Janko Ferlič auf Unsplash)