Schon ein paar Tage her, aber da ich dieses Jahr zu jedem besuchten Live-Event ein paar Zeilen geschrieben habe, will ich die Serie nicht plötzlich abreißen lassen.
Schon Anfang Oktober nämlich riefen SODOM nach Hamburg, genauer gesagt in den Kulturpalast in Billstedt. In dessen Kellergeschoss befindet sich das kultige Bambi Galore, das für diesen Abend aber viel zu klein gewesen wäre (und immerhin zwischen den Acts zum Verschnaufen als Kneipe diente). Der offizielle Teil fand daher im Erdgeschoss statt, im sogenannten Kronensaal ✨.
Statt eines einfachen Konzerts wurde ein nahezu vollwertiges Ein-Tages-Festival aufgeboten; doch dank Lohnarbeit (die Sause stieg an einem Freitag) und Schienenersatzverkehr waren wir spät dran, so dass die Auftritte von REAVERS und FIRST AID zu unserem Eintreffen längst vorbei waren. Den darauf folgenden CONTRADICTION-Gig verpassten wir dann beim Klönschnack vor der Location, so viel Zeit musste sein. Damit es aber nicht völlig ehrenlos wurde, eilten wir immerhin zur vorletzten Band nach drinnen.
WARRANT gefielen mir seinerzeit auf dem verregneten HOA 2017 ziemlich gut. Diesmal schien mir der eigentlich speedige Heavy Metal aber etwas zu glattgebügelt. So richtig bissig klang das Gesangsorgan von Front-Glatze Jörg Jurascheck jedenfalls nicht (so dass nicht nur optische Verweise auf PRIMAL FEAR nahelagen), aber der textsichere Teil des Publikums goutierte den Auftritt, so dass ich hier nicht groß meckern will.
Noch schnell ein Holsten Edel in den Rachen gekippt, eine weitere Knolle in der Kutte verstaut und mit einer dritten in der Kralle stürzten wir uns letztlich zum Headliner ins Getümmel. Die Messlatte hing einigermaßen hoch, da sich der seit längerem wieder als Quartett und leicht verjüngt (immerhin zwei Musiker <40 Jahren) auftretende Stoßtrupp dem Vernehmen nach wieder stärker dem Underground annähert. Indizien hierfür sind jedenfalls der Auftritt auf dem diesjährigen Keep it True oder der kultige DESASTER-Backpatch, den „Neu“-Gitarrist Jorck auf der Bühne trägt.
Mit den ersten Songs (Among the Weirdcong und Jabba the Hut) wird zwar zunächst den 90ern gehuldigt, aber der Ausbruch des Bösen ließ nicht lange auf sich warten. Die Setlist auf setlist.fm ist meines Erachtens unvollständig, aber mit Caligula war gerade mal ein Song neuer als 2001. Lediglich die Stumme Ursel passte nicht so recht ins Set (und wirkt textlich langsam auch ziemlich aus der Zeit gefallen). Dennoch rann der Schweiß bei allen Beteiligten, die Hüllen fielen und für Getränkenachschub in den ersten Reihen wurde direkt vom Bühenrand aus gesorgt.
Der zweite Frühling hält bei SODOM also offenbar an und nachdem ich mich langsam mit dem Rausschmiss von Bobby Schottkowsky abgefunden habe 😅, scheint auch der unsägliche (und vor allem ungeschickt kommunizierte) Wirbel um das NSBM-offene Steelfest vor zwei Jahren endlich verdaut. Alles in allem also ein astreiner Abend! Daumen hoch auch mal wieder (wie immer) für den Kulturpalast. Nirgendwo geht es so gemütlich und locker zu wie hier. Der Sicherheitsmensch am Einlass meinte beim Anblick meines prall gefüllten Rucksacks (vor allem Penn-Utensilien) jedenfalls nur
Ist da dein Schnaps drin? Harharhar, viel Spaß!
… und schubste mich in den Konzertsaal. In der Markthalle wäre das wohl so nicht passiert.
Titelbild: Nicht im Kronensaal fotografiert, sondern von Stefan Bollmann auf dem Metal Frenzy 2022, via Wikimedia Commons.

